Rotwelsch

Rotwelsch ist ein Sammelbegriff für geheimsprachliche Soziolekte sozialer Randgruppen auf der Basis des Deutschen, wie sie seit dem späten Mittelalter besonders bei Bettlern, fahrendem Volk (Vaganten), Vertretern sogenannter unehrlicher Berufe und in kriminellen Subkulturen in Gebrauch kamen und seit dem 17. Jahrhundert mit der Ansiedlung von Gruppen Nichtsesshafter auch regionalsprachlichen Niederschlag fanden.

Die Herkunft des Wortes Rotwelsch, das schon um 1250 in der Form rotwalsch („betrügerische Rede“) bezeugt ist, ist nicht ganz sicher. Das Wort welsch, mit der eigentlichen mhd. Bedeutung „romanisch“ (französisch und italienisch), hat auch die übertragenen Bedeutungen „fremdartig“, „unverständliche Sprache“, wie in der Zusammensetzung „Kauderwelsch“. Der Bestandteil rot wird dagegen mit dem rotwelschen Wort rot für „Bettler“ erklärt, das seinerseits mit rotte („Bande“) oder mit mittelniederländisch rot („faul, schmutzig“) in Verbindung gebracht wird.

Aus Wikipedia.
http://de.wikipedia.org/wiki/Rotwelsch

Rotwelsch Lexikon

Rotwelsch Deutsch
Absent Ausweisung
Acheln essen
Achel-Sore EĂźwaaren
Aufplezen aufmachen
Aufschrenten eröffnen
Aules ein Hafen
Auscher. Oscher reich
Ausfegen auspeitschen
ausschrobbern ausbrechen
Balderle Gespenst
Baldowerer Späher
baldowern auskundschaften“, von jidd. baal, „Mann“, und jidd. dowor „Sache, Wort“
Baliste Suppe
Balister-Gordel Kochleffel (Jiddisch fĂĽr Rastloser, jemand der aufsehen erregt)
Ballar Dorf
Ballbure Streit
Ballmater Soldat
Balt Wald
Banser Wirt
Barlen reden
Baschnete seidenes Tuch
Basil Eisen
BaĂźler Schmied
Bato Schwein
Bauser Angst / Furcht
bauserich ngstlich / furchtsam
Bayes Diebsherberge, Haus
Bede Jahrmarkt
beducht(betucht?) geheim
beeferen sterben
beefur der Tod
befanum hier
bekaskert betrunken
Bembel Bier
benschen beten
beschulmen bezahlen
Beyer Tuch
Bing Teufel
Bläreß Kupfer
Bläse Wind
Blättel Karte / Laub
blattfĂĽĂźen tanzen
Blättlen Kartenspielen
Blättling Teller
Blauhosen Zwetschgen
Blember Bier
Blete GoldstĂĽcke
Blinne Fensterladen
Bock Hunger, Gier“, von romani bokh „Hunger“, daraus auch dt. umgangsspr. Bock haben „Lust haben“
boder los / frei
Bofert Amtsmann / Beamter
Bohle StraĂźe / Weg
bohlen werfen
Bohnen Bleikugeln / Schrot
Bolent Kloster
Boller-Bayes Zuchthaus / Gefängnis
Bömes Hund
Bonherr AnfĂĽhrer
Bonnm Mund / Angesicht
BoĂź hauĂź
Bossert Fleisch
buckeln tragen
Bulle Polizist“, aus niederl. bol, „Kopf, kluger Mensch“
Buttlack Hunger
Caim Jude
Caporen umbringen
Caporen bolgen umgebracht werden
Chaffne Hochzeit/ Gewaltsamer Einruch mit Sturm
Chalnes Milch
Chandel das Licht
Chanes Das Leben
Charette die Kutsche
Chassne malochen mit Sturm Einbrechen
Chlamones ein besonderes zum Einbrechen/Aufbrechen gefertigtes Instrument
dalchen hinrichten
dalfen betteln
Dalfner Bettelleute
dälleren rädern
Dalljone Schafrichter
Dalme SchlĂĽssel
Dalmerei Schloss
Deckel Gendarm
Derger Bettelleute
Dille Mädchen
Dilmann ein En
dimmeren schwätzen
Dippelbären Müße
Dolme Galgen
Dove Kirche
doves gefangen
doves scheften gefangen sein
Doveschaller Schulmeister
Dowre Tabak
Dowre Kling Tabakpfeife
Dowre schwäche Tabak rauchen
Dowre-Senne TabaksbĂĽchse
Draht Geld
Dremes Hafen
dribis drei
Drohnen mit dem Rennbaum einsprengen
Drohu Rennbaum
Dufe Kirche
dupfen flechten
Durchzug Faden
DuĂź Schloss
DuĂźemaloscher Schlosser
dutters hinweg (hinfort)
Eindrohnen mit dem Rennbaum einsprengen
Esche Geliebte
fechten, Fechter, Fechtbruder „betteln“, „Bettler“, ursprünglich besonders von Handwerksburschen oder Bettlern, die sich als Handwerksburschen ausgeben; nach einer Erklärung von 1727 sind Klopffechter „gewisse Handwerkspursche, die für Geld ihre Fechtschule halten und sich auf allerh
flaggern Feuer legen
Gahtsche Leute, Bauer, Wirt
Gallon Mondlicht
gampfen stehlen
Gefahr Dorf
Gerlach Pfarrer
Gollo Buergermeister, hoher Herr
Gritschimme Wirtshaus
handeln stehlen
holchen gehen
Hollmusch Sturm
Houtz bawr (Bauer)
Jaar Wald
Kachny Huhn“, von romani kaxni, kahni, „Huhn“
Kaefig Gefaengniszelle
Kaesof Silbergeld
Kaffer Mann
Kammesirer ein gelehrter betler
kess gescheit, klug, clever
Knackert Wald
Kober „Wirt“, von jidd. kowo, kübbo, „Schlafkammer, Bordell, Hütte, Zelt“; davon auch ankobern, „anmachen, Freier aufreißen“
Kochemer Kunst Diebeshandwerk
Kohldampf „Hunger“, von romani kálo, „schwarz“, daraus rotw. kohlerisch („schwarz“) Kohler („Hunger“, vgl. rotw. schwarz, „arm, ohne Geld“); in der Bedeutung intensiviert durch Zusammensetzung mit rotw. Dampf, „Hunger“, „Angst“, aus dt. Dampf (übertragen auch „Ang
Krauter, Krauterer Handwerksmeister“, Etymologie unsicher, ursprünglich vielleicht Handwerker, die ihr Handwerk im Kraut, d.h. auf dem „freien Feld“, oder ohne Zugehörigkeit zu einer städtischen Innung auf dem Land ausübten.
Kreuzspanne Weste, Zwangsjacke, Hosenträger“, aus dem Deutschen, „spannt sich über das Kreuz“ (den Rücken)
Lein marschieren den Weg finden
linke Flebbe falscher Pass
Loe boĂź oder falsch Voppen liegen (lĂĽgen)
Luppert Uhr, Pistole
Malain Wein
Model, Maudel, Mudel, Muldel Frau, Mädchen“
Moos Geld
Muß, Moß Mädchen, Frau, Dirne“, von dt. Mutze, „Vulva“, oder dt. Musche, „Hure“
nassenen schenken, geben
Penne Herberge, (auch) Hoelle
platt vertraut, sicher, gaunerisch“
Prudenz Gasthaus, Gaunerherberge
Pulle Flasche
Putz Polizeibeamter
Scherfenspieler Hehler
Schicks Maedchen
schiebes-bohlen wegwerfen
schinageln arbeiten“, älteste Bedeutung „Zwangsarbeit für die Obrigkeit leisten“, von jidd. schin- („Schub-“) und jidd. agolo „Karre“
Schmuh Profit, unredlicher Gewinn“, Etymologie ungeklärt
Schocher, Schokelmei Kaffee“, von jidd. schocher majim „schwarzes Wasser“
schuppen stehlen
schwarz Bosser DĂĽrrfleisch
Soore gestohlenes Gut
Sore (Hehler-) Ware, Diebesgut, Beute“, von jidd. sechoro „Ware“
Stachelinus, Stachelingo Igel“, von romani štaxêlengêro, štaxengele, štaxlengaro, „Igel“ (entlehnt aus deutsch Stachel)
stapeln, stappeln Betteln“, vom Stab des Bettlers, oder von deutsch stoppeln „sammeln, Ähren lesen“
Stenz Stock, Prügel“, auch „Zuhälter“ und „Penis“, wahrscheinlich von dt. stemmen
verschuetten verhaften
Walze Wanderschaft
Wittische Einfaltspinsel (bezogen auf Buerger)
Wolkenschieber bettelnder Handwerksbursche“, „Kunde, der kein Handwerk versteht“
Zosken Pferd
Zoskenhaendler Pferdedieb

Geschrieben von knuuut am Dienstag, 05.02.2008.
Aktualisiert am Sonntag, 17.02.08